Innovation & Inklusivität

16.03.2025
Interview

6 Jahre Research Competition Mozarteum: Das Forschungsmanagement der Universität Mozarteum lobt seit 2019 jedes Jahr einen Preis für künstlerisch-wissenschaftliche und wissenschaftliche Forschungsprojekte aus. Leiter Eugen Banauch zieht nach den ersten 6 Jahren Bilanz.

Die Research Competition Mozarteum zielt darauf ab, eine Community von Forscher:innen – Studierende, Mitarbeiter:innen, Alumni, manche mit, manche ohne Forschungserfahrung – zu fördern und sie zu ermutigen, ihre Forschungsanträge gemeinsam mit dem Feedback einer internationalen Jury zu optimieren. Die Preise sind mit bis zu 3.000 Euro dotiert, die nächste Einreichphase startet am 19. März 2025.

Sechs Jahre Research Competition Mozarteum: Wie fällt dein Resümee aus?

Eugen Banauch: It‘s been fun! Es war spannend und lehrreich zu beobachten, in welche Richtungen am Haus geforscht wird. Die Research Competition Mozarteum hat es ermöglicht, diese Bandbreite der Forschungsperspektiven ans Licht zu bringen und ihnen eine Bühne zu geben. Das sehe ich als eine der Hauptstärken der RCM. 2019 bin ich angetreten, um die Forschung am Haus besser zu servicieren, die RCM ist aus dieser Motivation heraus entstanden: Sie sollte dazu dienen, bestehende Forschungsaktivitäten zu sammeln und sichtbar zu machen, die aus verschiedenen Gründen bisher nicht wahrgenommen wurden. Zudem wollten wir gezielt unterstützen, dass aus lang gehegten, aber oft nur halb formulierten, forscherischen Ideen umsetzbare und umsetzungswerte Projekte entstehen.

Welche thematischen Schwerpunkte verfolgt der Wettbewerb, worin liegt seine Besonderheit?

The Winner does not take it all – zumindest nicht bei der RCM. Dabeisein ist bei uns tatsächlich alles: der sportliche Ehrgeiz, und das Preisgeld sind was Feines. Aber alle Teilnehmenden bekommen Feedback zu ihrer Forschungsidee und können die entscheidenden Meter auf dem Weg zu einer konkurrenzfähigen Antragstellung bei Stadt, Land, Nationalfonds oder europäischen Förderschienen machen. Das Besondere ist die echte Inklusivität, d.h. dass bei uns entlang des Karriereverlaufs vom Bachelorstudierenden bis zur ordentlichen Professorin alle mitmachen können – und auch mitmachen. Das Dabei-Sein aktiviert, es fordert und fördert, auch die Wahrscheinlichkeit, dass aus einer Idee ein echtes Projekt wird.

Die Jury besteht aus Dame Janet Ritterman, u.a. Gründungsmitglied des Österreichischen Wissenschaftsrats, sowie Prof. Michael Worton, Top-Berater für Hochschulbildung des British Council: Welche Expertise bringen sie in die RCM ein?

Da haben wir wirklich einen USP, den wir auch weiter vertiefen: Meines Wissens macht derzeit keine andere Musik- und Kunstuniversität in Österreich eine derart qualitätsgesicherte und qualitätssteigernde in-house Bewerbungsschleife. Mit Janet Ritterman und Michael Worton haben wir eine renommierte Jury auf europäischem Topniveau. Die beiden besitzen in der für uns so wichtigen künstlerischen Forschung immense Erfahrung; nicht zuletzt als Gründungsmitglieder und ehemalige Vorsitzende des PEEK-Programms für künstlerische Forschung (Programm zur Entwicklung und Erschließung der Künste), um das halb Europa Österreich – zu Recht! – beneidet. Aufgrund meiner früheren Tätigkeit für das PEEK-Programm des FWF (Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung) kenne ich beide schon lange, und bin sehr dankbar, dass sie ihr Wissen, ihre immens breite Expertise und ihre hohe Menschlichkeit seit mehr als sechs Jahren in den Dienst der Universität Mozarteum stellen. Und dann gibt es auch noch „Critical Friends“, eine Gruppe aus Peers, angestellt an der Universität Mozarteum, die noch vor der Jury die Anträge sieht. Jede:r liest einen Antrag, zu dem die eigene Expertise und der Karriereverlauf passen, und gibt dazu mündlich oder schriftlich ihr Feedback. Aufgrund dieses Feedbacks kann der Antrag noch einmal überarbeitet und verfeinert werden, bevor ihn die Jury zu Gesicht bekommt. 

Every year, the Research Competition Mozarteum brings us surprises: original research topics (for instance, 2 proposals on bio-art this year); innovative examples of interdisciplinary working; new perspectives on music pedagogy; inventive approaches to performance of music, drama, and dance, and many more.

— Dame Janet Ritterman & Michael Worton, Jury der RCM

Wie hat sich die RCM im Laufe der Jahre entwickelt?

Wir hatten letztes Jahr über 20 Einreichungen, aus unterschiedlichen wissenschaftlichen und künstlerischen Disziplinen am Haus und auch kollaborative Einreichungen. Mit der studentischen Schiene „With Dylan on the Road“ haben wir ein zusätzliches Modell, das verpflichtend auf Kollaboration und Co-Kreation setzt – auch in der RCM wird sichtbar, dass vermehrt interdisziplinär und über die Departments hinweg zusammengearbeitet wird. Ende 2024 haben wir die RCM als Programm durch unsere Abteilung für Qualitätsmanagement evaluieren lassen. Wir sind eben in der Auswertungsphase, haben aber einige sehr ermutigende Ergebnisse gewinnen können: Die Betreuung der Antragsteller:innen und die Vorbereitungen für die Critical Friends wird als sehr gut bewertet, ebenso das fachkundige und konstruktive Feedback der Jury, fast 80% der Befragten werden die RCM bei einer neuen Forschungsidee wieder nutzen. Die Sichtbarkeit soll noch verstärkt werden, aber da sind wir dran! Denn die RCM ist ein Labour of Love und ein Zeichen, dass echter systemischer Fortschritt v. a. inkrementell erreichbar ist – so sehr ich mir als Kind der 80er einen Turbobooster à la K.I.T.T. für die Forschung und wissenschaftliche Drittmitteleinwerbung am Hause wünschen würde! Und freilich: Es macht uns stolz, dass das erste geförderte PEEK-Projekt und das erste geförderte FWF-Einzelprojekt unseres Hauses aus RCM-Anträgen erfolgreich weiterentwickelt wurden: „Nexus of Textile and Sound“ von Gertrud Fischbacher und Marius Schebella 2022 sowie „Ästhetisches Urteilen in Gemeinschaft“ von Iris Laner 2024. 

Wie definierst du die Bedeutung von Forschung an einer Kunstuniversität, speziell an der Universität Mozarteum?

Als stimmig wachsenden Teil im Kunstuniversitätsgefüge. Einer, der mittlerweile einen breit aufgestellten ordentlichen Wachstumsschub zeigt. Und die RCM ist definitiv ein Sprungbrett: Neben den Erwähnten kann ich z.B. auf die Arbeit des noch jungen Komponisten Erik Aren Schröder hinweisen, der 2023 einen Förderungspreis der RCM bekommen hat und heuer in Japan bei der EXPO prominent im Österreich-Pavillon vertreten sein wird. Der größte Impact der RCM ist definitiv die Verbindung und Vernetzung, die zwischen den Teilnehmenden stattfindet und so hilft, Forschung am Haus sichtbarer zu machen. Hier ist auch die große Bereitschaft, als Critical Friend den eigenen Kolleg:innen zur Verfügung zu stehen, wirklich erfreulich. Ich weiß, wie schwer es der FWF hat, Gutachter:innen zu suchen und wie viele Leute angeschrieben werden müssen, um ein Gutachten zu gewinnen. Unsere Quote ist tatsächlich traumhaft, das macht mich sehr glücklich und auch dankbar für das sich so positiv entwickelnde Forschungsklima bei uns am Haus.

Welche Visionen und strategischen Ziele verfolgt das Forschungsmanagement für die zukünftige Ausrichtung der RCM?

Wünschenswert wären mehr finanzielle Mittel, noch mehr Bewerbungen und die Möglichkeit, auch kleine, aber aussagekräftige Pilotprojekte umsetzen zu können, als proof-of-concept für größer angelegte Drittmittelprojekte. Wenn aus einem RCM-Antrag einmal der erste ERC (European Research Council) fürs Mozarteum entstehen würde, wäre das wie ein Ritterschlag für das Programm. Ich bin gerade dabei, mit Kolleg:innen im Haus eine Forschungsstrategie zu verschriftlichen, in der auch der RCM eine Schlüsselposition zukommen kann; und: die Jury soll um personelle Kompetenz im Bereich der Performance bereichert werden. Das wird möglicherweise auch den Kreis, aus dem eingereicht wird, nochmals erweitern. 

Welche Zielgruppen möchtest du explizit dazu ermutigen, sich an der RCM zu beteiligen, die bisher möglicherweise noch nicht in Erwägung gezogen haben?

Wir sind sehr froh, dass die RCM nicht als Programm nur von bestimmten Fachabteilungen genutzt wird, sondern Bewerbungen aus vielen Departments kommen. Von der einen oder anderen Richtung würden wir uns aber auch noch mehr Bewerbungen wünschen. Und: interdisziplinäre Anträge. Mehr auch von diesem Spirit in der RCM wäre schön und auch –mit Blick auf die österreichische und europäische Forschungslandschaft und die globalen Herausforderungen – sehr zeitgemäß.

  • Research Competition Mozarteum
    Einreichphase: 19.
    März bis 2. Juni 2025
    Jury Feedback und Award Ceremony: November 2025

(Ersterschienen in den Uni-Nachrichten / Salzburger Nachrichten am 15. März 2025)

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