11.08.2022

Salzburg und 100 Jahre Internationale Gesellschaft für Neue Musik: come together zum Gründungstag im Café Bazar

Im Jubiläumsjahr der Internationalen Gesellschaft für Neue Musik (IGNM) reflektiert ein umfassendes Programm deren Rolle als musikalisches Friedensprojekt nach dem Ersten Weltkrieg. Neben einer Ausstellung im Foyer der Universität Mozarteum und zahlreichen Konzerten fand heute, den 11. August um 11 Uhr ein come together als kleine Zeitreise zum Gründungstag im Café Bazar statt – mit einer musikalisch-literarischen Performance, die in Zusammenarbeit der Salzburger Festspiele und der Universität Mozarteum entstanden ist.
 
August 1922. Die Stadt Salzburg wird zum ersten Mal Treffpunkt internationaler zeitgenössischer Komponist*innen: Rudolf Réti und Egon Wellesz veranstalten „Internationale Kammermusik-Aufführungen“ am Mozarteum, die in einem Konzert der Wiener Philharmoniker bei den Salzburger Festspielen am 7. August 2022 im Großen Saal der Stiftung Mozarteum feierlich reminisziert wurden. Gemeinsam mit Béla Bartók, Paul Hindemith, Arthur Honegger, Darius Milhauds, Ethel Smyth, Anton Webern und vielen anderen versammeln sich Réti und Wellesz wenige Tage nach den Konzerten 1922, um das erste internationale Friedensprojekt in der Musik nach dem Ersten Weltkrieg zu etablieren: Am 11. August 1922 legen sie im Café Bazar den Grundstein der Internationalen Gesellschaft für Neue Musik (IGNM) als Interessensvertretung von Komponist*innen und Interpret*innen zeitgenössischer Musik.
 
„In den feierlichen Rückblick auf 100 Jahre Geschichte dieses ersten internationalen Friedensprojekts in der Musik mischt sich die Betroffenheit über den aktuellen Krieg gegen die Ukraine. Mit und durch Kunst übernehmen wir gemeinsam Verantwortung für unsere Gegenwart, für eine positive Zukunft“, betont Landtagspräsidentin Brigitta Pallauf.
Die IGNM (engl. International Society for Contemporary Music, ISCM) ist heute die älteste internationale Dachorganisation zur Förderung der Neuen Musik und gilt als eine der bedeutendsten musikkulturellen Gesellschaften der Welt, seit 2018 hat sie ihren Sitz in Wien. Mit Glenda Keam (ISCM New Zealand) wird 2019 anlässlich der Weltmusiktage in Tallinn zum ersten Mal in der Geschichte der IGNM eine Frau zur Präsidentin gewählt. Die IGNM/ISCM verfügt heute über 50 internationale Sektionen in 42 Ländern. Eine zentrale Aufgabe ist die Veranstaltung der Weltmusiktage (World New Music Days), die an jährlich wechselnden Orten stattfinden, 2022 vom 23. bis 30. August in Auckland und Christchurch in Neuseeland.
 
Heute, am 11. August 2022 um 11 Uhr, wurde der Gründungstag dieser geschichtsträchtigen internationalen Gesellschaft im Salzburger Café Bazar begangen. „Wie ein Zurück in die Zukunft sollten Texte aus jener Zeit am Originalschauplatz der Gründungsversammlung dazu einladen, dem nachzulauschen, wohin man einst aufgebrochen war. Bettina Hering und ich haben hierzu ein kleines Programm ersonnen, das mehr bietet als Wissenswertes und Kurioses“, so Elisabeth Gutjahr, Rektorin der Universität Mozarteum.
 
Schon zum Zeitpunkt der Gründung hatte die Gesellschaft auch einen diplomatischen Zweck: Menschen zusammenzubringen und gemeinsam Musik zu erleben, die vier oder fünf Jahre zuvor noch verboten war: Es war ein Projekt des (neuen) Hörens. Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte sich die Gesellschaft weitere Ziele: Hochmoderne Musik junger Komponist*innen aktiv zu fördern, alte Muster aufzubrechen und Neues zu erarbeiten. Projektleiter des Jubiläumsjahrs und Musikwissenschaftler Dr. Matthew Werley (DPhil, Oxford) in seiner Laudatio zum Gründungstag: „Die Geschichte der Internationalen Gesellschaft für Neue Musik ist eine Geschichte der Musik des 20. Jahrhunderts und jene des ersten Friedensprojekts in der Musik. Das A und O war die moralisch-ethische Einstellung, dass die Kunst über der Politik steht. Gesellschaften ändern sich und passen sich an die Zeit an, die IGNM hatte und hat eine internationale Aufgabe gegenüber der Welt, der Politik und der internationalen Zusammenarbeit“, so Matthew Werley.
 
Unter dem Titel „Achtung International!“ widmen die IGNM gemeinsam mit der Universität Mozarteum dieser 100-jährigen Geschichte eine eigene Ausstellung. Seit März 2022 im
Foyer der Universität am Mirabellplatz 1 öffentlich zugänglich, steht hier die Darstellung
Salzburgs als internationale Stadt der Zwischenkriegszeit mit all den wegweisenden
künstlerischen und menschlichen Begegnungen im Mittelpunkt. Die globale Reichweite der Forschungsarbeit der Universität Mozarteum wird eindrucksvoll verdeutlicht: Es konnten zahlreiche Exponate aus fast 70 Archiven weltweit und knapp 40 international renommierte Musikwissenschaftler*innen aus 13 Ländern für das Projekt gewonnen werden. Ab Oktober 2022 wird „Achtung International!“ als Wanderausstellung weltweit zu sehen sein.

 

Pressebilder



Bettina Hering (© Christian Schneider / Universität Mozarteum)


Gustav Peter Wöhler (© Christian Schneider / Universität Mozarteum)


Tino Hillebrand (© Christian Schneider / Universität Mozarteum)


v.l.n.r David Hummel, Kristina Hammer, Elisabeth Gutjahr, Bettina Hering (© Manfred Siebinger)


v.l.n.r David Hummel, Gustav Peter Wöhler, Bettina Herin, Tino Hillebrand (© Manfred Siebinger)


 

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