| |
Was hat das Heißwasser-getränk Tee mit Engeln zu tun ?
Anfang Dezember stellt ich die gläserne Teekanne auf den Elektroherd und um ihn heiß zu halten, drehte ich auf Stufe 1. Daraufhin vergaß ich den Tee vollständig und ging Einkaufen. Als ich zurückkehrte, war das Teewasser verdunstet und der Tee als bräunliche Masse in das Glas eingebrannt. Ich war wütend auf mich. Wenn meine Vergesslichkeit mit dem Alter noch zunimmt, - nicht auszudenken, wohin dies führen wird. Und würde ich je das Eingebrannte aus der Kanne herausbekommen? Bevor ich ans Abwaschen ging, hielt ich die Kanne gegen das Licht und blickte hindurch: Wunderschöne Bernsteinfarben von Dunkelgold bis Kirchenbankbraun leuchteten in einem großen Rund. Begeistert holte ich meine Kamera und photographierte durch die Kanne, während ich sie gegen die Sonne hielt. Mit jeder kleinen Drehung zeigten sich andere Farben. Am Ende hatte ich einen ganzen Dia-Film verschossen. Als ich den nächsten Film einlegte, kam mir die Frage in den Sinn, was wohl herauskäme, wenn ich über diese Farbspiele eine zweite Belichtung photographieren würde. Ich knipste noch zwei Filme und markierte sie genau, sodass ich sie wieder einlegen würde können.
So lagen die Filme erst einmal in der Schublade und der Tee war sehr leicht aus der Kanne zu entfernen gewesen.
Den ganzen Herbst schon hatte ich mich mit Engeln beschäftigt, ein Buch über Engel-Ikonen gelesen und anderes mehr. Als nun Weihnachten näher kam, nahm die Engel-Dichte in ganz erstaunlicher Weise zu. Nicht, dass ich an Engel glauben würde, aber sie sind auch nicht wegzudenken. Ich bekam Engel-Postkarten geschickt, und ich bekam sogar einen kleinen Engel aus Bronze
geschenkt. |
|
|





|
|
Nun ist dies in der Adventszeit keine Besonderheit, aber es war doch auffällig und ich begann, mich dafür zu interessieren. Wenn Engel existieren, dann müssen sie auch in irgendeiner Weise zu photographieren sein, sagte ich mir, es käme eben nur auf die Art und Weise an. Und ich dachte an meine Filme. Und so entstand die Idee, als Zweitbelichtung den Versuch zu machen, Engel zu photographieren. Wann würde dies je gelingen, wenn nicht zur Weihnachtszeit?
Am Heiligen Abend, nach den Familienbesuchen, hatte ich Zeit für mich und die Engel. Ich holte die Kamera, legte den Tee-Film ein und suchte in meiner Wohnung nach Engeln. Erstaunlich, wie viele Engel im Keller, in den Stauräumen, in den Kruschl-Schubladen und in den Bücherregalen wohnen! Und mit wilden Beleuchtungs-Improvisationen legte ich los zu photographieren. Ich verschoss einen ganzen Film und war total geschafft.
Am nächsten Tag zog ich mit Kamera und Stativ durch Salzburg und lichtete alle Engel ab, die mir unterkamen; es waren erstaunlich viele, auf Kirchen und in Kirchen – davon gibt es in Salzburg nun wirklich viele! – in Schaufenstern und auf Plakaten. –
Nach Weihnachten brachte ich die Filme zum Entwickeln. Als ich sie abholte, war ich sehr gespannt: Ist auf den Dias überhaupt irgendetwas zu erkennen? Sind sie völlig überbelichtet? Oder sind sie ganz schwarz? Das Endergebnis war ja dem Zufall überlassen.
Als ich sie das erste Mal sah, war ich tief berührt. Seitdem glaube ich an die Existenz von Engelwesen, in irgendeiner Weise, jedenfalls zeigen sie sich in den seltenen Momenten zwischen Weihnachten und Zufall.
Rainer Buland
|
|
|