Franz Billmayer

Die ästhetisch erzeugte Wirklichkeit als Grundlage einer integrativen Theorie der Kunsterziehung

0.
Vorbemerkung:
Kunstdidaktische Publikationen und Vorträge ähneln sich häufig in ihrer Struktur. Zunächst wird der mehr oder weniger desolate Zustand des Faches bzw. des Unterrichts an die Wand gemalt und das Fach als (hoch) gefährdet dargestellt, um dann zu zeigen, dass mit dem neuen Ansatz, mit der neuen Theorie alles besser wird. Je schwärzer der gegenwärtige Zustand erscheint, desto leuchtender kann sich die Autorin bzw. der Autor als Lichtgestalt präsentieren(1). In dieser Hinsicht folgt mein Text dem bewährten Muster.

1.
Beobachtung I
Im Kunstunterricht werden aus naheliegenden Gründen (2) Gegenstände und Themen behandelt, die "gut laufen". Was nichts anderes bedeutet, als dass die Schülerinnen und Schüler im Unterricht relativ gut und relativ motiviert mitmachen und die Ergebnisse sich mehr oder weniger sehen lassen können, in Schulausstellungen, bei den Eltern und bei den Schülern selbst. Im Laufe eines Berufslebens entwickeln Kunsterzieherinnen und Kunsterzieher einen Fundus an bewährten Themen, Inhalten und Methoden, die beibehalten werden, solange sie nur "halbwegs laufen" (3). Wer die Ergebnisse aus dem Kunstunterricht an den Wänden der Schulen sieht, ist von deren Zeitlosigkeit seltsam berührt. Der Unterricht beruht vor allem auf Traditionen und Erfahrungswissen, aktuelle fachdidaktische Theorien haben einen eher geringen Einfluss. Aus der Sicht vieler Fachdidaktiker, die das Geschehen aus der universitären Distanz betrachten, erweist sich der Kunstunterricht als eigenartig imm