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Lehrveranstaltungstyp: KG
Semesterstundenanzahl: 2
Zulassungsbestimmungen: Bakkalaureatsabschluß
Die 90er Jahre sind von einer neuen Befindlichkeit des Körpers gekennzeichnet. Dieser wird zur Schnittstelle zwischen seinem eigenen Rhythmus, seinen Erinnerungen, ängsten, Träumen und der kollektiven Erfahrung, welche von der Technologie geprägt, die Wahrnehmung modifiziert. Da Tanz ein richtiges TUN, eine raumzeitliche Bewegung der ganzen (tanzenden) Person ist, werden wir in unserer Lehrveranstaltung anhand aktuellster Informationen von Aufführungen, Interviews, Zeitungsartikel, Monographien, Kritiken, Ausstellungen sowie Videoaufzeichnungen eine kritische Untersuchung anstellen, um die Improvisations-, Kompositions- und Gestaltungsprinzipien, bzw. -techniken vom Tanz der Jahrhundert- und Jahrtausendwende kennen zu lernen.
Die ständige Veränderung des Prozesses der Dissoziation und der Transformation von zentralen Konstituenten der “theatralen” Repräsentation, so dass die tragenden Strukturelemente - Körper, Bewegung, Raum, Zeit, Licht, Musik, Text und “Inhalt“- nicht mehr nach einem vorgegebenen, dem Mimesis-Prinzip gehorchenden Regelkonzept einander zugeordnet sind, führt zu einem neuen Begriff der Darstellung.
In der einzigartigen Art des Individuums, Form und Inhalt auf seine Art und Weise aufzunehmen, zu selektieren und neu zu formen, drückt sich die ästhetische Qualität des kreativen Produkts aus.
Zur Förderung kreativer Prozesse, ist es notwendig, dass sowohl primärprozeßhaftes Denken, als auch sekundärprozeßhaftes Denken gefördert wird. Primärprozeßhaftes Denken umfasst die Denkformen, die im Kindesalter die vorherrschenden sind und atmosphärische und ganzheitliche Bilder, Träume und Phantasien aufnehmen. Sekundärprozeßhaftes Denken ist in seiner Art eher zergliedernd, problemlösend und sprachzentrierend. Beide Formen des Denkens sind in ihrer Art schöpferisch.
In der Arbeitsphase zwischen Improvisation und Gestaltung erzeugt das Pendeln zwischen Sich-überlassen und bewusstem Gestalten einen ständigen Schwebezustand. In diesem Zustand muß der Tanzende sich bewegen, will er den Improvisationsprozeß nicht gefährden
Der Begriff der Improvisation definiert sich von seiner Bedeutung her im weiteren Sinn als unvorbereitetes Handeln, aus dem Stegreif Tun.
Einige Merkmale von TanzImprovisation:
Während die Bildende Kunst erst Materie verwandeln muss, braucht der Tanz sich lediglich mit dem fertigen Körper in Position zu stellen. Da ist er - Objekt und Subjekt in einer Figur, der Körper und das, was er darstellt. Den menschlichen Körper zu gestalten, Formen zu schaffen, die seiner Zeit und seinem Empfinden entsprechen, sind Bestrebungen, die Tänzer und Choreographen gleichermaßen verfolgen.
Raumvorstellungen und Tanz sind eng miteinander verknüpft und im modernen Zeitalter einem entscheidenden Wandel unterworfen. Der Raum wird zu einer zentralen Kategorie der modernen Choreographie; anstatt der strengen Frontalität, Axialität und Wahrung des Schwerpunktes, sind technische Elemente maßgebend, durch die der KöRPER des Tänzers die Perspektive verinnerlicht. Der Tänzer definiert die Weite des Raumes durch das Bewusstsein seiner Bewegungen, er kann den Raum auf seinen Körper konzentrieren oder ihn in die Unendlichkeit ausweiten.
In unserer LV werden die aktuellsten Improvisations-, Darstellungs- und Inszenierungsprinzipien vorgestellt und behandelt:
Im SS wird der Schwerpunkt der LV auf den Prinzipien der Aleatorik und der Collage als Einführung zu Kompositionsprinzipien des 20. Jahrhunderts gesetzt.
Der Umgang mit einer ästhetik, bei welcher die Techniken von Musik, Tanz und Bildender Kunst in eine vielfältige Beziehung treten, verlangt nach einer kritischen Betrachtungsweise: Kongruenz, Kontrast, Analogie und Autonomie.
Von der Langsamkeit bis zur Schnelligkeitsgrenze, von der Ordnung bis zur (Zer)Störung körperlicher “Ordnung” des Tanzes, von der Perfektion bis zur Desorganisation der Form, von der Symmetrie bis zum Chaos erhebt der Tanz des ausgehenden zweiten Jahrtausends diese diametral gegenüber stehenden Pole zur ästhetik.
- Eine ästhetik der Verknüpfung und Integration von Kunst und Leben. - Tanz als Kunstform und Existenzform.
Anwesenheitspflicht, prüfungsemanenter Charakter.
Pro Semester: Konzeption, Choreographie und Einstudierung eines Tanzstückes (inklusive Handout mit Literaturverzeichnis).