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Geschichte
Jürgen Neuhofer, Student in Komposition am Mozarteum schreibt zur Zeit seine Magisterarbeit über die bisher nicht dokumentierte Geschichte des Studios für Elektronische Musik am Mozarteum. Die Arbeit wird 2011 abgeschlossen werden.
Klaus Ager
50 Jahre elektronische Musik in Salzburg
Die Anfänge: 1958 – 1963
Die Geschichte des Studios elektronischer Musik beginnt
in Salzburg im Herbst 1958, als der damalige Präsident
der Akademie Eberhard Preußner Räume im Walserfeld für
das Schauspielseminar anmietete und neben dem Schauspielseminar
mit der Hilfe des Elektronikkonzerns Philips
auch ein Studio für elektronische Musik einrichtete. Leiter
des Studios wurde ab 1.10.1958 Irmfried Radauer, der mit
seiner Schauspielmusik für „Hiob“ bei den Salzburger Festspielen
1958 wohl das erste elektronische österreichische
Werk in den Studios des Radio Salzburg realisiert hatte.
Die nächsten Jahre waren eine sehr produktive Zeit des
Salzburger Studios, Komponisten wie Horvath, Losonczy,
Slothower und natürlich Radauer arbeiteten intensiv in
einem Studio, das für die damalige Zeit nicht schlecht
ausgestattet war. Durch den Weggang Radauers 1963 einerseits
und den Tod des Präsidenten Preußner andererseits
klangen die Aktivitäten rapid ab. Die Geräte des Studios
wurden in erster Linie zur Produktion verschiedenster
Schauspielmusiken verwendet. Elektronische Musik oder
gar Forschung passierte nicht.
Durch die personelle Nichtbesetzung des Studios sind leider
auch die meisten Werke, die damals entstanden waren,
nicht mehr auffindbar.
Der Wiederbeginn: 1971 – 1978
Erst durch die Umwandlung der Akademie Mozarteum in
eine Hochschule für Musik und darstellende Kunst wurden
neue organisatorische Strukturen möglich, die 1971
zur Gründung des „Instituts für musikalische Grundlagenforschung“
führten, das in den Statuten bereits die Wiedereinrichtung
des Studios für Elektronische Musik vorsah.
Als ich 1973 nach meinen Studien am GRM und dem
Pariser Konservatorium als Assistent an das Institut kam,
wurde ich mit der Wiedererrichtung des Studios und der
Leitung desselben betraut.
Die Sichtung der noch existierenden Geräte und Werke
war enttäuschend. Die Geräte (Mono Tonbandmaschinen
und Sinustongeneratoren) wurden aus dem Walserfeld
in das Haupthaus des Mozarteums an der Schwarzstraße
überführt und von mir als Arbeits- und Übungsstudio
für Studierende eingerichtet. Weiters erarbeitete ich Pläne
zum Aufbau eines modernen Studios.
Ein Archiv oder ähnliches existierte nicht. Eine Unzahl von
Tonbändern fand sich in diversen Schachteln, alle nicht
beschriftet und keinen Werken zuzuordnen. Anfragen bei
den Komponisten Horvath, Radauer und Losonczy brachten
keine Ergebnisse, das Anhören bestätigte den Verdacht,
dass die Bänder von den diversen Schauspielklassen überspielt
worden und die Originalklänge nicht mehr erhalten
waren.
Ich begann mit dem Aufbau eines Archivs und 1974 mit
einer Lehrveranstaltung für Studierende, die als Freifach
allen offenstand aber natürlich in erster Linie für die Kompositionsstudenten
vorgesehen war. Es entwickelte sich
wieder ein schönes Zentrum für elektroakustische Musik,
das sich bezüglich der technischen Ausstattung sowie
auch musikalisch stark an den Ideen Pierre Schaeffers und
des GRM unter der damaligen Leitung von François Bayle
orientierte. Aus der Mitte der Studierenden kamen interessante
Ideen, die sich häufig realisieren ließen: es fanden
Konzerte und Vorträge mit elektroakustischer Musik
in Galerien anderen Sälen und Schulen statt, Zusammenarbeit
mit Tanzinstitutionen, einzelnen Tänzern wurden
angestrebt und auch verwirklicht; Letztlich war auch die
erste Ausgabe unseres ASPEKTE Festivals – das bis heute
existiert – auf eine Einladung des Studios an François
Bayle zurückgegangen. Auch nationale und internationale
Kooperationen wurden gesucht und gefunden. Konzerte
mit Salzburger elektronischer Musik fanden bei IGNM Musikfestivals,
aber auch anderen Festivals statt. Die wichtigsten
Komponisten dieser Jahre waren Werner Raditschnig,
Dieter Lehnhof, Martin Schwarzenlander und Klaus
Ager. Durch eine enge Zusammenarbeit mit dem ASPEKTE
Festival ergaben sich viele Möglichkeiten der Präsentation
elektroakustischer Musik sowohl als Präsentationen lokaler
Produktion aber es wurden auch immer wieder internationale
Studios eingeladen, Werke ihrer Komponisten
zu präsentieren. So waren in dieser Zeit Komponisten wie
Bernard Parmegiani, Luc Ferrari, Iannis Xenakis, aber auch
Dieter Kaufmann, François Bayle, Mauricio Kagel und viele
andere zu Gast in Salzburg.
Mitte der Siebziger Jahre war aber immer deutlicher absehbar,
dass die Zukunft der elektronischen Musik in der
Einbeziehung des Computers in Steuerung analoger Geräte
oder direkter digitaler Klangerzeugung liegen würde.
In Zusammenarbeit mit dem Institut für Psychologie an
der Universität Salzburg entwickelten der Assistent des
Instituts Dr. Roland Krysl und ich eine eigene Version von
Max Mathews „MUSIC IV“ für den PDP 11 Computer des
Instituts, die dann die Basis für mein Werk „Metaboles III“
wurde, das beim Musikprotokoll des Steirischen Herbstes
als erstes österreichisches Computermusikstück uraufgeführt
wurde und das ausschließlich aus digitalen Klängen
erzeugt worden war. Allerdings wurde uns bald klar, dass
MUSIC IV nicht der Weisheit letzter Schluss sein konnte,
da es langsam und in der Berechnung der Klänge und umständlich
in der Eingabe war, und ich entwickelte deshalb
einen Entwicklungsplan, der ein hybrides analog- digitales
Studio vorsah, das aber hauptsächlich auf Grund finanzieller
Schwierigkeiten aber auch meiner eigenen dienstrechtlichen
Karriere nur mehr rudimentär verfolgt wurde.
Die Klangmobile nach einer Idee Otto Becks
In Zusammenarbeit mit dem Österreichischen Ensemble
für Neue Musik und seinem damaligen Leiter Herbert
Grassl und Klaus Ager verwirklichte Otto Beck seine Idee
der „Klangmobile“: Fahrrädern, auf denen große Lautsprecher
montiert waren und die speziell der mobilen Präsentation
elektroakustischer Musik gewidmet waren. Spektakuläre
Auftritte gab es bei der Ankunft John Cages anlässlich
des ASPEKTE Festivals 1991 am Flughafen in Salzburg oder
auch dem IGNM Musikfestival 1997 in Seoul (Korea).
Rückkehr Irmfried Radauers (1979 – 1996)
Als 1979(?) Irmfried Radauer mit einem Lehrauftrag für
Computermusik an das Mozarteum zurückkehrte schlug
er einen neuen Weg ein, der schließlich in Zusammenarbeit
mit der Universität Salzburg zur Gründung eines
Computermusikstudios am Institut für Mathematik führte.
Stephen Travis Pope – noch einer meiner Studenten –
entwickelte eine UNIX Version von MUSIC V, die an sich
sehr progressiv und leistungsstark war, aber international
einerseits durch das Aufkommen der Real-time Klangerzeuger
(wie z.Bsp. der DMX 1000 Signal-Processing Computer
) und andererseits durch die Miniaturisierung der
Computer (PC, Apple, NeXT) schnell überholt war. In mehr
oder weniger enger Zusammenarbeit mit S. Pope und I.
Radauer realisierten in erster Linie die Komponisten J.M.
Horvath, Herbert Grassl, S. Pope, Klaus Ager und natürlich
auch Irmfried Radauer Werke an diesem Studio.
André Ruschkowski (1996 – 2006)
Nach der Emeritierung Radauers (1995) übernahm André
Ruschkowski sowohl das noch rudimentär existierende
Analog-Studio als auch das Computerstudio Radauers und
baute auf der Basis von IRCAM-Software ein modernes
Studio für Computermusik auf. Besonders im Bereich der
pädagogischen Arbeit ragte Andre Ruschkowski heraus.
Seine Schwerpunkte lagen ganz besonders auch auf der
Verbindung zwischen den Künsten. Die Zusammenarbeit
mit dem ASPEKTE Festival wurde wieder aufgenommen,
was zu einer Reihe von Konzerten und auch internationalen
Kooperationen führte. Auf diese Weise wurde viele
Werke Ruschkowskis und seiner Schüler nicht nur in Salzburg
sondern bei verschiedenen Festivals (Bourges, Lüneburg
oder auch den internationalen Computermusikkonferenzen
etc.) präsentiert.
Achim Bornhoeft (2006 – heute)
Nach dem Weggang von André Ruschkowski an das Savannah
College of Art and Design in Georgia (USA) wurde
Achim Bornhoeft im Sommersemester 2006 Leiter des Studios
für Elektronische Musik. Seine erste Aufgabe bestand
darin, den Umzug vom ”Zentrum im Berg” in die grundsanierten
Räumlichkeiten am Mirabellplatz zu organisieren
und durchzuführen. Aus Gründen der individuellen
Verfügbarkeit und dem damit verbundenen effizienteren
Einsatz in der Ausbildung wurde die, für den Lehrbetrieb
verwendete Software weitestgehend auf Open Source Produkte
umgestellt. Einige der interessanten analogen Instrumente
wie der Arp 2600, das Polymoog Keyboard oder
der EMS Synthi AKS 80 wurden wieder instandgesetzt, um
den Studenten die Möglichkeit zu geben, auch weiterhin
die spannenden klanglichen Experimente vergangener
Epochen nachvollziehen zu können. Neben den nun regelmäßig
stattfindenden Konzerten innerhalb der Hochschule
konnte sich das Studio auch im Ausland präsentieren,
so auf dem On/Off Festival Elektroakustischer Musik 2008
in Limburg als auch 2009 beim Internationalen Treffen der
elektronischen Hochschulstudios ”Next Generation 3.0”
am ZKM in Karlsruhe.