gender moves  - Geschlechterdiskurse in den Künsten

Eine transdisziplinäre und öffentliche Veranstaltungsreihe der Universität Mozarteum Salzburg im Sommersemester 2019 (März-Juni)
 
Beginn: 06.03.2019|18:00   
Hörsaal | Universität Mozarteum | Mirabellplatz 1 | 5020 Salzburg
 
Veranstalter_in:  Plattform Geschlechterforschung_Gender Studies 
jeweils mittwochs 18.00-20.00 Uhr

Begrüßung: Rektorin Elisabeth Gutjahr
Einleitende Worte zu gender moves: Hildegard Fraueneder und Christoph Lepschy

Bridge Markland
king-ing the drag – drag-ing the king
con-structing the bridge – de-constructing gender

Lebhafter unwissenschaftlicher Vortrag über das eigene Leben und Werk mit life Performance + anschließender Diskussion
(Performancekünstlerin, Berlin)
Einführung: Gertraud Steinkogler-Wurzinger

Die Berliner Performerin Bridge Markland ist eine Virtuosin des Rollenspiels und der Verwandlung. Eine Künstlerin die zwischen Tanz, Theater, Performance, Cabaret und Puppentheater mit Leichtigkeit alle Grenzen überschreitet.
Ihre besondere Spezialität sind Trans-Gender-Performances bei denen das Publikum den Wechsel von Frau zu Mann (oder Vice Versa) live miterlebt. Sie ist Pionierin der Drag und Genderperformance in Deutschland und organisierte Drag-King Events, Tourneen und Festivals von 1994-2002.
Gemeinsam mit Diane Torr kuratierte sie 2002 in Berlin das go drag! Festival women celeberate cross dressing.
bridge markland 
 
 
13. März 2019, 18:00 – 20:00 Uhr
gender moves – Geschlechterdiskurse in den Künsten
Großer Hörsaal im Gartengeschoss
Andrea Zimmermann
„Eine Frau betritt die Bühne...“
Kritik der Geschlechterordnung im Theater der Gegenwart
Chair: Christoph Lepschy
 
Wie angesichts aktueller Debatten deutlich wird, ist es an der Zeit, das Theater aus der Perspektive der Gender Studies in einer umfassenderen Weise in den Blick zu nehmen, als es bisher geschehen ist: Es gilt nicht nur Inszenierungen, Performances und Theatertexte zu analysieren, sondern auch die Institution des Theaters auf soziale Ungleichheit und vor allem auf Weisen der Vergeschlechtlichung zu untersuchen.
So stellt sich die Frage, wie sich das Theater als Ort sowohl der Reproduktion als auch der Transformation von Geschlechternormen fassen lässt. Welche Rolle spielt dabei der Zusammenhang von Produktionsprozessen und Performances bzw. Inszenierungen? Anhand konkreter Beispiele werden Herausforderungen einer inter- und transdisziplinären Analyse skizziert und es wird danach gefragt, wie auch Ansätze von arts based research eingebracht werden können. 
 
Andrea Zimmermann ist Oberassistentin (Postdoc) am Zentrum Gender Studies der Universität Basel. Sie hat an der Universität Zürich zur Kritik der Geschlechterordnung in zeitgenössischen Theatertexten promoviert. Seit 2015 ist sie darüber hinaus Dozentin am Thomas-Bernhard-Institut der Universität Mozarteum Salzburg. Derzeit habilitiert sie zu „Staging Politics of Gender and Affect“. Ihre Forschungsschwerpunkte sind feministische Kritik, Theater, Drama, Affect Studies, Theorien der Mimesis und der Performativität. 
Publikationen: „Kritik der Geschlechterordnung. Selbst-, Liebes- und Familienverhältnisse im Theater der Gegenwart“, Bielefeld 2017; „Wir sind das Volk“. Emanzipatorische Politiken der Erinnerung im Theater der Gegenwart, feministische studien 2018/2, 286-304; Andrea Zimmermann zusammen mit Christa Binswanger „Queering the Palimpsest: Affective Entanglement Beyond Dichotomization“, in: Studies in Gender and Sexuality, 19/2, 2018, 106-119 
 
 
20. März 2019, 18:00 – 20:00 Uhr
gender moves – Geschlechterdiskurse in den Künsten
Großer Hörsaal im Gartengeschoss
Katja Bürkle 
Hamlet trägt Kopftuch 
Chair: Christoph Lepschy
 
Die Schauspielerin Katja Bürkle ist eine Spezialistin der Transgression, ihr Umgang mit Geschlechterbildern verweigert sich konsequent gängigen Rollenkonventionen, gleichgültig ob sie Frauenrollen wie Julie (Liliom) und Lady Macbeth oder Männerrollen wie Franz Moor und Hamlet spielt. Dabei ist ihr Spiel nicht nur geprägt von einem Moment der Reflexion und Distanz zu den Geschlechter-Konventionen, sondern auch von der Lust an ihrer spielerischen Subversion. Im Gespräch mit Kai Ohrem wird sie Einblick in ihre Schauspiel-Praxis geben, zur Sprache kommen werden aber auch Fragen nach den institutionellen Voraussetzungen ihrer Arbeit in einem nach wie vor patriarchal geprägten Theaterbetrieb. 
 
Katja Bürkle (*1978) studierte Schauspiel an der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Stuttgart. Festengagements führten sie an das Staatstheater Stuttgart, die Münchner Kammerspiele und das Residenztheater München. Sie arbeitete mit Regisseuren wie Stephan Kimmig, Karin Henkel, Roger Vontobel, Jossi Wieler, Sebastian Nübling, Friederike Heller, Johan Simons, Ulrich Rasche und René Pollesch. Neben ihrer Tätigkeit am Theater steht sie immer wieder in Film- und Fernsehproduktionen vor der Kamera. Darüber hinaus lehrt sie am Thomas-Bernhard-Institut der Universität Mozarteum Salzburg und an der Otto-Falckenberg-Schule in München. Sie leiht ihre Stimme auch vielen Hörfunk- und Hörbuchproduktionen. 2018 erhielt sie für ihre darstellerische Leistung in Christopher Rüpings Hamlet- Inszenierung beim 36. Fajr International Theater Festival in Teheran den Preis als beste Schauspielerin.
 
Kai Ohrem (*1978) studierte Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaften am Peter-Szondi-Institut der FU Berlin und Musikwissenschaft an der HU Berlin. Als freier Regisseur arbeitete er vor allem in Prag, Wien, Warschau und Minsk. Neben seiner Regietätigkeit unterrichtete er als Gastdozent für Schauspiel an der HfS „Ernst Busch“ Berlin, der Folkwang Universität der Künste Essen und der MuK Wien. Seit 2011 ist er Professor für Schauspiel am Thomas- Bernhard-Institut der Universität Mozarteum.
 
 
27. März 2019, 18:00 – 20:00 Uhr
gender moves – Geschlechterdiskurse in den Künsten
Großer Hörsaal im Gartengeschoss
Sigrun Heinzelmann
Ist der Seitensatz feminin?
Vom Sinn und Unsinn von Genderkategorien in der Musikanalyse
Chair: Christian Ofenbauer
 
Für die Musikanalyse greifen Genderkategorien auf drei Ebenen: Zuerst in der Auswahl des zu analysierenden Repertoires, dann in den angewendeten Analysemethoden und den damit verbundenen Diskursen und schließlich in der Interpretation, also der Deutung der analytischen Ergebnisse. Anhand von kurzen Beispielen soll gezeigt werden, wie Genderkategorien gewinnbringend eingesetzt werden können – und wie nicht.
 
Sigrun Heinzelmann studierte Klavier (Staatsdiplom) an der Musikhochschule Stuttgart sowie Kammermusik, Liedbegleitung und Musiktheorie (Master) an der University of Massachusetts in Amherst, USA. Nach Abschluss des PhD Studiums in Musiktheorie an der City University of New York war sie als Lecturer an der University of Massachusetts in Amherst tätig, dann als Professorin am Oberlin Conservatory of Music. Seit 2016 lehrt sie als Universitätsprofessorin für Musikanalyse an der Universität Mozarteum Salzburg.
 
3. April 2019, 18:00 – 20:00 Uhr
gender moves – Geschlechterdiskurse in den Künsten
Großer Hörsaal im Gartengeschoss
Gertraud Steinkogler-Wurzinger
Teufel auch! Dieser Tritonus!
Gedanken zur Leiblichkeit des Hörens aus feministischer Sicht
Chair: Judith Valerie Engel
 
Am Anfang steht einerseits die Devise „Das Private ist politisch“ und andererseits nach Gerda Lerner die Überzeugung, dass Geschlechtszugehörigkeit die Erkenntnis entscheidend mitbestimmt. So erzählt der Vortrag an Hand einiger autobiografischer Daten, wie feministische Ansätze die Reflexion über ihr Lebensthema – Stimme und Hören – politisiert und ein feministisches Grundstudium sie mit einem herrschafts- und machtkritischen Ohr ausgestattet haben: Was sangen wohl die Sirenen, dass Odysseus sich aus Angst davor an den Segelmast binden und seinen Gefährten Wachs in die Ohren träufeln ließ? Und dass das auditive Gefahrensignal – ein Tritonus (Rettung, Feuerwehr, etc.) – heute noch „Sirene“ heißt? Ein Plädoyer für das Hören wider die Hypertrophie des starren Blicks.
 
Gertraud Steinkogler-Wurzinger studierte Kirchenmusik, Gesang und Musikwissenschaften an der Universität Mozarteum und an der Paris-Lodron- Universität Salzburg. Ein Stipendium des British Council für „Early Music“ führte sie als Post Graduate an die Guildhall School/ London. 1989 gründete sie den Belcantochor Salzburg; seit 1990 zunächst Lehrbeauftragte dann Vertragslehrerin an der Universität Mozarteum, dort auch zwischenzeitlich Vizerektorin, Senatsvorsitzende und Gleichstellungsbeauftragte; Gründung und Leitung des Instituts für Gleichstellung und Gender Studies; seit 2009 Präsidentin der Internationalen Gesellschaft für Ekmelische Musik.
 
 
10. April 2019, 18:00 – 20:00 Uhr
gender moves – Geschlechterdiskurse in den Künsten
Großer Hörsaal im Gartengeschoss
Anke Charton
„soubrettiger“ oder „überaus maskulin“? 
Relationen von Stimme und Geschlecht
Chair: Bartolo Musil
 
Wie werden Geschlechtervorstellungen an Gesangsstimmen herangetragen? Welche Politiken (binärer) Geschlechtlichkeit bilden sich in Fachsystemen, gesangspädagogischer Literatur und Musikjournalismus ab und welche Handlungsmöglichkeiten gibt es im Umgang mit ihnen? Durch welche Entwicklungen ist die gegenwärtige westliche Verknüpfung von (Gesangs)Stimme und Geschlecht entstanden und was sind aktuelle Tendenzen und Potenziale der Zuschreibung wie auch der Subversion? – Entlang dieser Fragen steckt der Vortrag anhand eines historischen Abrisses und gegenwärtiger Praxisbeispiele geschlechtertheoretische Strukturen der Debatte um Voicing Gender ab.
 
Anke Charton ist Theaterwissenschaftlerin und gegenwärtig Universitätsassistentin am Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft der Universität Wien. Ihre Themen liegen im Bereich der vergleichenden Kulturgeschichte, mit Schwerpunkten u. a. in Gesangsgeschichte, Gender Studies und in der Frühneuzeitforschung.
 
 
8. Mai 2019, 18:00 – 20:00 Uhr
gender moves – Geschlechterdiskurse in den Künsten
Großer Hörsaal im Gartengeschoss
Elisabeth Schimana
Auf der Suche nach den Ahninnen
Chair: Achim Bornhoeft 
 
Nach einem Jahrzehnt Arbeit im Bereich der elektronischen Musik/Kunst begann ich nach einer anderen Geschichte zu fragen. In all den Jahren der Ausbildung und Arbeit wurde mir in diesem von Männern dominierten Genre, sowohl im Lehr- wie im Arbeitsbereich, kaum etwas von Frauen in der Geschichte der elektronischen Musik/ Kunst erzählt. Und somit begann ich neue Fäden in die Geschichten einzuweben. Das war 1998. Und was ist seither passiert? Darüber werde ich sprechen – von der Futuristin zur IMAfiction Serie, meiner Funktion als Mentorin im Bundeskanzleramt und neuen Festivals wie etwa Heroines of Sound in Berlin.
 
Die Musikerin und Komponistin Elisabeth Schimana ist seit den 1980er Jahren als eine der österreichischen Pionierinnen der elektronischen Musik mit Projekten präsent, die sich durch einen radikalen Ansatz und eine ebensolche Ästhetik auszeichnen. Schimanas mehrfach ausgezeichnete und international rezipierte Arbeit steht im Spannungsfeld von Komposition und freiem Spiel, nicht zu trennen von ihr als live Agierender, bezieht sich auf historische Positionen, verweigert sich aber jeglicher Vereinnahmung und besticht, eindringlich und reduziert, mit hoher Intensität (Milena Meller). (www.elise.at)
 
 
15. Mai 2019, 18:00 – 20:00 Uhr
gender moves – Geschlechterdiskurse in den Künsten
Großer Hörsaal im Gartengeschoss
Anja Zimmermann
Art is a Criminal Action
Feministische Positionen in der Kunst um 1968! Und heute?
Chair: Hildegard Fraueneder
 
Der Beitrag feministischer Kunst im Umfeld der gesellschaftlichen Veränderungen um 1968 ist bislang noch wenig untersucht. Dabei hatten feministische Künstlerinnen großen Anteil an den Neuerungen und Experimenten in der Kunst jener Jahre. Der Vortrag analysiert exemplarisch mehrere Themenfelder in denen Künstlerinnen um 68 gesellschaftskritische Positionen einnahmen und beleuchtet, auf welche Weise die politische Kritik der Neuen Frauenbewegung Eingang in die Kunst fand. Vor allem soll es aber darum gehen, auf welche Weise heutige künstlerische Positionen auf feministische Arbeiten der 60er und 70er Jahre Bezug nehmen und was „feministisch“ im Kontext aktueller Kunstproduktion (noch) bedeuten kann.
 
Anja Zimmermann, Kunsthistorikerin, Privatdozentin an der Universität Hamburg. Seit 2009 Vertretungs- und Gastprofessuren, sowie Lehraufträge u.a. an den Universitäten Hamburg, Zürich, München, Wien und Oldenburg; bis 2012 Heisenbergfellow (DFG) an der Universität Oldenburg. Veröffentlichungen (Auswahl): Anja Zimmermann (Hg.): Kunstgeschichte und Gender. Eine Einführung, Berlin 2006; Anja Zimmermann (Hg.): FKW//Zeitschrift für Geschlechterforschung und visuelle Kultur: 1968ff - Kunst, Politik, Feminismus (Heft 65/Dezember 2018).
 
 
22. Mai 2019, 18:00 – 20:00 Uhr
gender moves – Geschlechterdiskurse in den Künsten
Großer Hörsaal im Gartengeschoss
Katharina Rost
Theater, Gender und Kostüm
Im Spektrum von Cross-Dressing, Drag-, Queer- und Pop-Performance
Chair: Frank Max Müller
 
Welche Kostüme haben welche Wirkung? Wie steht Kleidung in Verbindung zu Gender-Vorstellungen? Wie geht das Gegenwartstheater mit Kostüm und Gender um?
Diese Fragen stehen im Zentrum der hier angestellten Überlegungen zum Zusammenhang von Theater, Gender und Kostüm. Unter Berücksichtigung der Modeforschung seit den ausgehenden 1990er Jahren bis heute, z. B. von Diana Crane, Joanne Entwistle oder Philipp Dorestal, die sich primär auf die soziokulturellen Bedeutungen und Wertungen von Kleidung konzentriert, wird der Blick auf aktuelle Theater-Arbeiten gerichtet, bei denen sowohl die Kostüme als auch die Gender-Verhältnisse markant hervortreten. Der Fokus geht dabei über das theaterhistorisch verankerte und dadurch per Konvention ohnehin zu erwartende Cross-Dressing hinaus und zielt auf vestimentär kreierte Widersprüche, die nicht problemlos in den Kategorien „Männlichkeit“ und „Weiblichkeit“ aufgehen und dadurch möglicherweise Wirkungen von Verunsicherung bis Irritation hervorbringen.
 
Katharina Rost ist seit 2017 Postdoc-Stipendiatin des Programms „Exzellente Wissenschaftlerinnen für die Universität Bayreuth“ und arbeitet an einem Forschungsprojekt zu Female Masculinities in der Popmusik. 2015 promovierte sie an der Freien Universität Berlin zum Hören und zur Aufmerksamkeit im Theater („Sounds that matter“, 2017). Von 2008 bis 2016 arbeitete sie am Institut für Theaterwissenschaft der FU Berlin als wissenschaftliche Mitarbeiterin. Sie gehört der Gender-AG der Gesellschaft für Theaterwissenschaft, der Fachgesellschaft Gender e.V. sowie seit kurzem auch der in Bayreuth lokalisierten Gruppe Gequindi an. Ihre Forschungsschwerpunkte umfassen Sound Design, Musik und Geräuschemacherei für das Theater, Theaterarchitektur und Akustik, Modegeschichte, Geschlechterforschung, Queer Theory, Gender und Popmusik. Darüber hinaus war sie als Mitarbeiterin der Pressearbeit bei Festivals, wie z. B. „Tanz im August“, und als künstlerische Assistentin der Tanzcompagnie „Dance On“ bei den Projekten des Regisseurs Rabih Mroué sowie der Choreografin Deborah Hay tätig.
 
 
29. Mai 2019, 18:00 – 20:00 Uhr
gender moves – Geschlechterdiskurse in den Künsten
Großer Hörsaal im Gartengeschoss
James Lórien MacDonald
Comic Trans – Stand-up comedy as soft resistance
Einführung: Kai Ohrem
 
In this stand-up performance with interruptions in the form of a lecture, stand-up comedian and transgender man James Lórien MacDonald presents trans activism as popular entertainment. Can a joker be trusted as an activist source? Is laughter hostile? What are the responsibilities of a minority comedian to their so-called „community“?
 
James Lórien MacDonald (b. 1977) is a Canadian-Finnish comedian, performance artist, and writer. His solo show Gender Euphoria has been performed in 4 countries, and he runs Helsinki‘s Feminist Comedy Night and Punch Up! clubs. His current work straddles practice in popular art forms, such as comedy and larp, and using these as a sites of queer resistance.
 
5. Juni 2019, 18:00 – 20:00 Uhr
gender moves – Geschlechterdiskurse in den Künsten
Großer Hörsaal im Gartengeschoss
Melanie Unseld
Vom Umgang mit Geschlechterfragen in der Historischen Musikwissenschaft
Chair: Julia Hinterberger
Geschlechterrelevante Fragestellungen in der Musikwissenschaft sind nicht neu: Immer wieder, und immer wieder beeinflusst durch eine interdisziplinäre Frauen- und Geschlechterforschung, werden musikwissenschaftliche Fragen unter der Perspektive von Geschlecht thematisiert. Der Vortrag gibt einen Überblick über die verschiedenen Entwicklungen der musikwissenschaftlichen Genderforschung und stellt an konkreten Beispielen ihre Möglichkeiten und Herausforderungen vor.
 
Melanie Unseld ist Professorin für Historische Musikwissenschaft an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien. Zuvor war sie Professorin für Kulturgeschichte der Musik an der Universität Oldenburg (Deutschland) und dort u.a. Direktorin des Interdisziplinären Zentrums für Frauen- und Geschlechterforschung. 2010 gab sie zusammen mit Annette Kreutziger-Herr das „Lexikon Musik und Gender“ heraus.
 
 
12. Juni 2019, 18:00 – 20:00 Uhr
gender moves – Geschlechterdiskurse in den Künsten
Großer Hörsaal im Gartengeschoss
Monika Oebelsberger
Frauen in der Musikpädagogik
Chair: Michaela Schwarzbauer
 
Trägerinnen einer Musikerziehung, die konzeptionell oder intuitiv ‚arbeiten,’ in der „Mitte der Tradition“ wie es anlässlich eines Symposiums an der Musikuniversität Wien genannt wurde, waren immer schon in entscheidendem Maße die Frauen. Diesen ‚Frauenbildern‘ soll im Vortrag nachgespürt werden: dabei werden sowohl die Bedeutung der Frauen für die musikalische Volksbildung in ihrer konkreten Arbeit als Vermittlerinnen musikalischer Kompetenzen als auch deren konzeptionelle Pionierarbeiten in der Musikpädagogik aufgezeigt und diskutiert.
 
Monika Oebelsberger ist Professorin für Musikpädagogik, Leiterin des Departments für Musikpädagogik und der School of Music and Arts an der Universität Mozarteum Salzburg. Zahlreiche Publikation zu musikpädagogischen Themen; Mitherausgeberin der Reihen: Musikpädagogische Forschung Österreich; Einwürfe: Salzburger Texte zur Musik – Kunst – Pädagogik. Referententätigkeit im In- und Ausland. 2007: Fulbright Gastprofessorin an der University of Minnesota/ Minneapolis. Von 2003 bis 2014 Mitbegründerin und Obfrau der MFÖ (Musikpädagogische Forschung Österreich), von 2005 bis 2014 National Coordinator der EAS (European Association of Music in Schools). Forschungsschwerpunkte: Historische Musikpädagogik, Kooperative Musikdidaktik, Komparative Musikpädagogik, Musikpädagogik und Gender.
 
 
26. Juni 2019, 18:00 – 20:00 Uhr
gender moves – Geschlechterdiskurse in den Künsten
Großer Hörsaal im Gartengeschoss
Katharina Deserno
Ein Blick auf die Geschichte der Cellistinnen
Chair: Hildegard Fraueneder
 
Transformationen von Weiblichkeitsbildern lassen sich an Cellistinnen besonders deutlich erkennen. Bei der Betrachtung einer ‚Geschichte der Cellistinnen‘ rückt vor allem ein Wandlungsprozess signifikant in den Vordergrund. Wie kaum ein anderes Instrument hat das Cello einen Bedeutungswandel von einem ‚Männerinstrument‘ hin zu einem von beiden Geschlechtern gespielten, populären Instrument durchlaufen. Anhand der Lebens- und Wirkungsgeschichten verschiedener Cellistinnen soll zum einen analysiert werden, inwiefern Konstruktionen, die ‚Weiblichkeit‘ definieren, prägend sind, wie diese in der Presse und in den Reaktionen des Publikums auf die Cellistinnen Niederschlag finden und zum anderen, wie sich diese Bilder verändern. Im Fokus der Betrachtung stehen dabei besonders die Biographien von Lise Cristiani (1825/27-1853) und Guilhermina Suggia (1885-1950).
In der lecture performance wird Musik aus dem Kontext der Cellistinnen erklingen, u.a. Werke von Rebecca Clarke, Felix Mendelssohn, May Mukle.
Katharina Deserno, Vortrag und Violoncello, Nenad Lečić, Klavier
 
Katharina Deserno ist seit 2015 Professorin an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt sowie seit 2008 Dozentin an der Hochschule für Musik und Tanz Köln. CD-Produktionen bei Kaleidos und Wergo, Rundfunkübertragungen, Uraufführungen, Einladungen zu Festivals und Masterclasses. Promotion in Musikwissenschaften, Publikationen bei Böhlau, Schott u.a. (www.katharinadeserno.de)
 
Der Konzertpianist Nenad Lečić konzertiert international als Solist und Kammermusiker, u.a. mit namhaften Orchestern wie den Bamberger Symphonikern, dem Chamber Orchestra of Europe. Rundfunk- und Fernsehübertragungen sowie verschiedene CD-Produktionen dokumentieren seine künstlerische Tätigkeit. Nenad Lečić ist Dozent an der Hochschule für Musik und Tanz Köln. (www.nenadlecic.com)